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Newsletter vom 23.01.2024

23. Januar 2024

Planung wird überarbeitet, Kahlschlag droht weiterhin


Liebe Freundinnen und Freunde des Waldparks,


das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe bewegt sich – nach jahrelangem Festhalten an nicht mehr zeitgemäßen, klimaschädlichen Plänen. Angesichts des „weltweiten Klimawandels“ will die Behörde das „Einbringen einer statisch selbsttragenden Spundwand in Verbindung mit einem Dammverteidigungsweg“ prüfen. Dass die Planer an der Dammverteidigung festhalten, ist kein gutes Zeichen.

 

Massenrodung nach wie vor nicht ausgeschlossen

Das RP Karlsruhe hat heute tatsächlich eine Überarbeitung der Planungsunterlagen bekannt gegeben. Damit kommt die Landesbehörde der Forderung der Stadt Mannheim nach, die Spundwandlösung als Sanierungsvariante eingehender zu betrachten (siehe Newsletter vom 10.01.2024).


„Inwieweit diese Bauweise dann zu einem geringeren Eingriff in den Baumbestand führen würde, wird ebenso geprüft werden“, heißt es in der heutigen Pressemitteilung. Dass das RP unverändert einen Dammverteidigungsweg vorsieht, lässt Ungutes erahnen. Denn das könnte weiterhin eine Massenrodung auf dem Damm bedeuten. Wie mehrfach von uns berichtet, will das RP alle Bäume auf dem Damm abholzen, um zu verhindern, dass Einsatzkräfte durch herabfallende Äste oder umstürzende Bäume gefährdet werden.


Eine statische Spundwand erfordert jedoch keine Dammverteidigung! Dies haben kürzlich vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim sowohl der Deichexperte Dr. Ronald Haselsteiner als auch Dr. Andreas Bieberstein als gerichtlich bestellter Sachverständiger bestätigt (siehe Newsletter vom 08.12.2023). Eine Dammverteidigung ist nach den technischen Regelwerken nur bei Erddeichen erforderlich, weil nur Erddeiche bei einem Überströmen der Deichkrone versagen können.


Darüber hinaus wäre es laut einer länderübergreifenden Vereinbarung überhaupt nicht zulässig, im Extremfall (also bei einem Überströmen) den Damm zum Beispiel mit Sandsäcken zu erhöhen. Schließlich wäre es auch rein logistisch gar nicht möglich.


Großflächige Abholzungen verschärfen Klimakrise

„Weltweiter Klimawandel erfordert neue Strategien zum Hochwasserschutz an Fließgewässern“ lautet der Titel der Pressemitteilung des RP. Mit diesem Argument haben wir seit Jahren an Ministerpräsident Kretschmann und die Zuständigen im baden-württembergischen Umweltministerium appelliert. Nun ist zu hoffen, dass die Verantwortlichen im Land angesichts des „weltweiten Klimawandels“ endlich Hochwasserschutz in Einklang mit Baum- beziehungsweise Waldschutz bringen.


Wie verantwortungslos und kurzsichtig wäre es, wenn an allen Hochwasserschutzdämmen in Baden-Württemberg – erst recht in ganz Deutschland, in ganz Europa, weltweit – sämtliche Bäume gefällt werden würden! Die großflächigen Abholzungen würden den Klimawandel weiter beschleunigen und noch häufigere und schlimmere Hochwasserereignisse zur Folge haben.


Mindestens 90 Prozent der Bäume könnten erhalten werden. So steht es in dem Fachgutachten des langjährig erfahrenen Deichexperten Haselsteiner. Hoffentlich plant das RP nun entsprechend. Alles andere wäre für uns weiterhin nicht akzeptabel.


Herzliche Grüße


Sabine Jinschek  Michael Detmer

Initiative Waldpark Mannheim e.V.


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