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Instagram-Kommentar des Umweltministeriums Baden-Württemberg vom 24.01.2024

24. Januar 2024

„Der CO2-Fußabdruck einer Hochwasserschutzwand ist enorm“


Das Land Baden-Württemberg beharrt offensichtlich auf der Erdbauweise

Wie im Newsletter vom 23.01.2024 berichtet, will das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe (nach Aufforderung durch die Stadt Mannheim) nun das Einbringen einer statisch selbsttragenden Spundwand prüfen – allerdings in Verbindung mit einem Dammverteidigungsweg, obwohl ein solcher Weg nur bei einem Erddamm erforderlich ist.


Offenbar hält das Land - und demzufolge auch das RP - weiter an der Erdbauweise fest.  Dafür spricht auch die Antwort des Umweltministeriums (UM) Baden-Württemberg (BW) vom 24.01.2024 zu einem Kommentar unserer Initiative Waldpark auf Instagram: Die Oberste Landesbehörde propagiert abermals Erddämme und lehnt Stahlspundwände erneut mit dem nicht stichhaltigen Argument „enormer CO2-Fußabdruck" ab. Wir haben die haltlosen Begründungen des UM umgehend widerlegt - und  darauf keine Antwort mehr erhalten. 


Aber lesen Sie die unfassbare Argumentation der Landesbehörde selbst! Auf Instagram oder im Folgenden [ Absätze und Hervorhebungen stammen von unserer Initiative]:


Instagram-Post der Landesregierung BW vom 09.01.2024

Um Baden-Württemberg gegen #Hochwasser zu rüsten, haben wir allein 2023 rund 115 Mio. € investiert und bauen den Hochwasserschutz sowie Starkregenschutz kontinuierlich aus. 


Denn auch wenn die Hochwasserlage hierzulande aktuell entspannt ist, müssen wir überall mit mehr und extremeren Hochwassern rechnen.
Ein #Hochwasserereignis bedeutet nicht nur eine Gefahr für das Leben der Menschen hier im Land, sondern birgt auch enormes Schadenspotenzial: Landesweit könnten dabei Schäden in Höhe rund 5,8 Mrd. Euro entstehen. [...]


Kommentar der Initiative Waldpark vom 13.01.2024

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann, sehr geehrte Frau Ministerin Walker,


dann investieren Sie bitte endlich in sinnvolle - sprich: sichere, natur- und artenschutzschonende, klimafreundliche - Hochwasserschutzmaßnahmen: bei der Sanierung von Dämmen z.B. in Hochwasserschutzwände statt in baumfreie Erddeiche, die aufweichen und brechen können!


Das Dammertüchtigungsprogramm BW aus dem Jahr 2015 ist angesichts der Klimakrise nicht mehr zeitgemäß. Die daraus resultierenden Massenrodungen auf Dämmen sind kurzsichtig und verantwortungslos. Dass es besser geht, zeigen zahlreiche Praxisbeispiele: https://www.waldpark-mannheim.de/praxisbeispiele.


Antwort des Umweltministeriums BW vom 24.01.2024

Danke für den Kommentar. Erddämme werden überwiegend aus natürlich kommenden Materialien errichtet, die meistens in der Umgebung gewonnen werden können. Wichtig zu wissen ist, dass Bäume auf Erddämmen ein Sicherheitsrisiko darstellen - das wurde zum Beispiel beim Hochwasser an Weihnachten letzten Jahres in Norddeutschland deutlich. Deshalb werden auf Dämmen Wiesen angesät, die oft als Biotope für besonders geschützte Arten dienen.


Hochwasserschutzwände hingegen sind massive technische Bauwerke. Für die Sanierung von Dämmen zum Beispiel mit stählernen Spundwänden würden tausende Tonnen Stahl benötigt, die unter großem Energieaufwand hergestellt und hunderte von Kilometer weit transportiert werden müssten. Der CO2-Fußabdruck einer solchen Maßnahme ist enorm. Deshalb sollte diese Sanierungsmethode nur dort eingesetzt werden, wo keine anderen Alternativen bestehen.


Replik der Initiative Waldpark vom 24.01.2024

Danke für Ihre Antwort, die jedoch nicht den Kern des Problems trifft. Das Grundproblem ist, dass Ihr Umweltministerium in seinem Dammertüchtigungsprogramm aus dem Jahr 2015 Erddämme als Regelbauweise vorsieht, und das trotz Klimakrise und deren Folgen. Erddämme bieten keine ausreichende Sicherheit, wie die von Ihnen angeführten Beispiele aus Norddeutschland belegen.


Ja, Bäume sind ein Sicherheitsrisiko auf Erddämmen, da solche Dämme aufweichen und umstürzende Bäume riesige Löcher in den Damm reißen können. Daher wehren wir uns in Mannheim bekanntlich seit 2018 gegen die von Ihnen und dem Regierungspräsidium Karlsruhe vorgesehene Dammsanierung in Erdbauweise und fordern die Einbringung einer Hochwasserschutzwand in den bestehenden Damm. Diese bietet ein höheres Sicherheitsniveau und Tausende Bäume auf dem rund 4 km langen Rheindamm könnten erhalten werden.


Dass Sie einerseits Klimaschutz propagieren und andererseits im ganzen Land – vermeidbare – Massenabholzungen an Dämmen planen, ist absurd. Auch Ihre Argumentation in puncto CO2-Fußabdruck hinkt: Abgesehen davon, dass das RP Karlsruhe in Sachen Rheindammsanierung Mannheim bereits auf rund 80 Prozent der Strecke des Damms Spundwände aus Stahl plant (wenn auch nur zur Innendichtung), wird Stahl heutzutage fast zu 100 Prozent recycled. Außerdem verursacht der jahrelange LkW-Verkehr (voraussichtlich 180.000 Fahrten durch Wohngebiete), der für den von Ihnen geplanten Abtrag von Tausenden Tonnen alten Dammmaterials und den Bau des neuen Damms erforderlich wäre, ebenfalls erhebliche CO2-Emissionen.


Und: Was ist mit den Tausenden Bäumen, die Kohlenstoff filtern und Sauerstoff produzieren? Diese wollen Sie vernichten – und das in Mannheim, der heißesten Stadt mit dem größten Steinkohlekraftwerk in Deutschland. Ihr Vorgehen ist kurzsichtig, verantwortungslos und einfach nicht mehr zeitgemäß. Jede Verlautbarung von Ihrer Seite zum Klimaschutz, Naturschutz, Artenschutz ist vor diesem Hintergrund blanker Hohn.

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