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Newsletter vom 08.06.2024

8. Juni 2024


Liebe Freundinnen und Freunde des Waldparks,


ist unser Damm bei Stark- oder Dauerregen sicher? Hat das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe solche Extremwetterlagen bei seinen Planungen berücksichtigt? Wie lange dauert es noch, bis der Rheindamm saniert wird? Wann geht es im Verfahren weiter? Diese Fragen wurden uns in den vergangenen Tagen mehrfach gestellt.


Angesichts der Wassermassen in Süddeutschland sorgen sich auch in Mannheim viele Menschen – auch wenn die Pegelstände an Rhein und Neckar nur leicht erhöht waren. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang der neue Hochwasser-Check der deutschen Versicherer.


Stark- und Dauerregen – kein Thema für das RP Karlsruhe

Infolge der starken Niederschläge in Süddeutschland verzeichnete Mannheim nach Angaben der Stadt zu Beginn der Woche ein 10-jährliches Hochwasser. Von einem 200-jährlichen Hochwasser – dem unser Damm standhalten soll – oder einem noch höheren Wasserstand waren wir weit entfernt.


Inwieweit spielen Stark- und Dauerregen am Rheindamm in Mannheim eine Rolle? Im Plan des RP findet sich dazu nichts. Diese beiden Wetterphänomene kommen in dem mehr als tausend Seiten langen Antrag überhaupt nicht vor!


Vermutlich deshalb, weil starker und/oder anhaltender Regen bei der vom RP geplanten Erdbauweise gravierende Folgen haben kann: Denn er vernässt nicht nur die Wasserseite eines Damms, sondern dessen gesamte Oberfläche. Viele Dämme weichen dadurch auf, im schlimmsten Fall brechen sie. Die derzeitigen Überschwemmungen zeigen dies eindrücklich.


Die Planer in Karlsruhe sehen in erster Linie Bäume als mögliche Ursachen für einen Dammbruch. Neckarau könne dadurch innerhalb von Stunden vier Meter unter Wasser stehen. Schon bei der ersten Vorstellung seiner Planungen schürte das RP mit diesem Szenario Ängste. Nachweise hierfür hat es bis heute nicht erbracht.


Hochwasserkatastrophe in Mannheim eher unwahrscheinlich

Wie stark wir am Rhein in Mannheim von einem Dammbruch oder extremen Hochwasser bedroht sind, ist schwer vorherzusagen. Denn dies hängt von vielen Faktoren ab. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde rechnet zukünftig mit einerseits weniger verheerenden, andererseits mehr leichten Hochwassern am Rhein, wie die Frankfurter Rundschau berichtete.


Die Tatsache, dass unser Damm uns seit mehr als hundert Jahren stets verlässlich geschützt hat, ist kein Garant für die Zukunft. Dennoch scheint eine Hochwasserkatastrophe bei uns eher unwahrscheinlich:


  • Der Rhein speist sich im Sommer vor allem aus dem Schmelzwasser der Alpengletscher. Da diese bereits stark abgeschmolzen sind, wird es in dieser Jahreszeit häufiger Niedrigwasser geben.


  • Im Winter ist am Rhein durch den Klimawandel künftig insgesamt von weniger Schnee und mehr Regen auszugehen. Durch Stark- und Dauerregen werden in der Regel aber vor allem Bäche und kleinere Flüsse zu reißenden Strömen. Die Pegel am Rhein steigen dagegen relativ langsam an.


  • Flutpolder und Rückhalteräume entlang des Rheins tragen dazu bei, Hochwasserwellen abzufangen und zu verteilen, und verringern so die Belastung für Mannheim. (Wobei noch nicht alle geplanten Retentionsflächen umgesetzt sind.)


  • Beim Rheindamm in Mannheim kommt hinzu, dass dessen Höhe bereits für ein 200-jährliches Hochwasser ausgelegt ist. Zudem ist er über weite Strecken überdimensioniert, also überdurchschnittlich breit.


Hochwasser-Check: Neckarau gar nicht so gefährdet

Ein weiterer Aspekt, der dafür spricht, dass das RP ein eher unrealistisches Horror-Szenario zeichnet, ist die Risikobewertung der deutschen Versicherer. Diese schätzen zum Beispiel die Gefährdung eines (relativ nah am Damm gelegenen) Hauses in der Aufeldstraße in Neckarau durch Fluss-Hochwasser als unwahrscheinlich ein. Dies zeigt der gerade aktualisierte, kostenlose Hochwasser-Check



Quelle: www.dieversicherer.de/versicherer/wohnen/hochwassercheck



Es ist schon bemerkenswert, dass die Versicherer Häuser im angeblich so gefährdeten Neckarau als gar nicht so gefährdet einstufen. Und das, obwohl sie per Gesetz dazu verpflichtet sind, Risiken vorsichtig zu bewerten und zu kalkulieren. Und das in einer Zeit, in der die Politik von ihnen die Einführung einer Pflichtversicherung gegen Hochwasser fordert.


Quelle: www.dieversicherer.de/versicherer/haus---garten/hochwasser-check


Interessant ist auch, dass sich die Risikobewertung im Vergleich zu 2021 im Grunde nicht geändert hat: Vor drei Jahren ergab der Hochwasser-Check, dass das Haus in der Aufeldstraße im grünen Bereich „niedrige Gefährdung“ liegt und ein „eher mittleres Risiko durch Fluss-Hochwasser“ besteht.


Für die Risikoeinschätzung werden nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) unter anderem die Hochwassergefahrenkarten der Bundesländer herangezogen.


Unser Waldpark – natürlicher Schutz vor Hochwasser und den Folgen von Starkregen

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Bei uns in Mannheim befindet sich zwischen Damm und Rhein ein bis zu 1,5 Kilometer breiter Auwald. Auwälder sind natürlicher Hochwasserschutz. Denn sie können enorme Mengen Wasser aufsaugen wie ein Schwamm und speichern. Dadurch reduzieren sie die Strömungsgeschwindigkeit, schützen Flussdämme und verhindern, dass das Wasser schnell und unkontrolliert in bebaute Gebiete abfließt.


Zugleich mindern Auwälder die Auswirkungen von Starkregen. Die Wurzeln der Bäume und Pflanzen stabilisieren den Boden und verringern so mögliche starke Bodenerosionen.


Ein aktueller Kommentar in der Süddeutschen Zeitung bringt es auf den Punkt: „Es ist nicht zu übersehen: Die Menschheit ist an einem Punkt angelangt, an dem ihr die Zerstörung des Planeten um die Ohren fliegt. Klimakrise mitsamt Hochwasser sind ja nur ein Teil davon,“ schreibt Vera Schröder. Insbesondere unterstreicht sie die kostenlosen und so kostbaren Leistungen von Auen:


„Keine technische Erfindung kann so umfassend den Planeten reparieren wie sich erholende Ökosysteme selbst [...] Man kann das am Beispiel von Flutkatastrophen beschreiben. Renaturierte Flussläufe, Auen und Feuchtgebiete bieten gleich fünf Leistungen: Als Rückhalteflächen schützen sie erstens vor Hochwasser. Als Wasserspeicher helfen sie zweitens gegen Dürre. Drittens filtern und säubern sie die Böden, viertens bunkern sie Kohlendioxid, und fünftens fördern sie die Artenvielfalt.“


Offenlage der Neuplanung vielleicht erst 2025

Gerade die jüngsten Katastrophenfälle belegen also: Das RP Karlsruhe muss die Auwaldbäume erhalten! Und da es immer ein Restrisiko gibt, insbesondere angesichts der Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Klimawandel, ist der Einbau einer statisch wirksamen Spundwand die sicherste Lösung. (Übrigens hat auch bei den aktuellen Überschwemmungen in Bayern, wo Hochwasserschutzwände schon seit langem eingesetzt werden, nach unserem Kenntnisstand keine einzige Spundwand versagt.)


Wie lange das RP eine statisch wirksame Spundwand noch prüft, ob es diese Variante überhaupt plant, wann es den überarbeiteten Antrag bei der Stadt Mannheim einreicht, lässt sich nach wie vor nicht genau sagen. Aber es kann durchaus sein, wie wir aus der Mannheimer Verwaltung erfahren haben, dass die neuen Planungen erst 2025 offengelegt werden.


Schreibt an Umweltministerin Thekla Walker – und geht am Sonntag zur Wahl!

Macht dazu gerne Druck beim Umweltministerium Baden-Württemberg. Wendet Euch am besten an Umweltministerin Thekla Walker persönlich. Gerade vor zwei Tagen hat Walker zum Thema Hochwasserschutz auf Instagram gepostet: „Wir werden unsere Anstrengungen noch intensivieren müssen. Weil wir in Zukunft nicht nur neu bauen, sondern auch bestehende Anlagen prüfen, ob sie angesichts der Erderwärmung noch ausreichen.“


Noch wichtiger: Geht am Sonntag wählen! Und wählt bitte eine Partei, die den Klimawandel ernst nimmt!



Herzliche Grüße


Sabine Jinschek  Michael Detmer

Initiative Waldpark Mannheim e.V.

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